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Der Prozess der Communisierung

In der Reihe an Beiträgen „Communismus“ habe ich einige Ideen zur gegenwärtigen Debatte um die Grundzüge der befreiten Gesellschaft formuliert. In Bezug auf diese Beiträge und die unter anderem im Autonomie Magazin geführte Debatte um eine revolutionäre Organisierung, möchte ich einen weiteren Beitrag zu dieser Debatte hinzufügen und versuchen die Ideen revolutionärer Organisierung und den Aufbau der befreiten Gesellschaft weiterzuführen.

Von: Henri

Vom Autor erschien bereits ihm März hier bei uns der Text Die Weltcommune als revolutionärer Gesellschaftsentwurf, zur Frage wie eine andere Gesellschaft ausschauen könnte.


Die Commune als freie Gesellschaftsform und in ihr die direkte Selbstverwaltung der frei Assoziierten, bedarf selbst, da sie erst eingeführt werden soll, eines prozesshaften Charakters. Mit Communisierung ist dieser transformative Charakter der revolutionären Gesellschaftsform selbst gemeint. Dieser Prozess der Form ergibt sich aus den Bedürfnissen und daher Anforderungen an Emanzipation und Freiheit einerseits, andererseits aus den geistigen und organisatorischen Ausgangsbedingungen der Für-Freiheit-Streitenden und ihrer Bewegungen. Dass diese beiden Pole, Notwendigkeit der Revolution und Versteinerung der Verhältnisse gegenwärtig auseinanderfallen ist kein Geheimnis. Der Entwurf der Communisierung beginnt daher dort, wo der Wille zu sozialer Befreiung und Selbstverwaltung bereits vorhanden ist, dort wo der Prozess der sozialen Organisierung bereits stattfindet, in linken Gruppen und Strukturen.

Transformation der Fragmente

Die Form linker und linksradikaler Organisierung ist heute fragmentarisch. Zum Glück und Unglück der Bestrebungen revolutionärer Emanzipation zugleich, bildet das Fragment, das Bruchstück die historisch-gegenwärtige geistige und organisatorische Form der linken Gruppen, Zusammenhänge und Bewegungen. Glück deshalb, da die zentralistischen Massengewerkschaften und -parteien der arbeitenden Bevölkerung keine nennenswerte soziale (und politische) Organisationsform oder politische Ideologie mehr darstellen.1 Unglück daher, dass die revolutionär-emanzipatorische Kraft notwendigerweise durch ein Kollektivsubjekt hervorgerufen, in und durch diese Kollektivität erst erschaffen werden muss.

Die fragmentarische Form des sozialen Kampfes zu überwinden, ohne dabei auf die historischen Schablonen der zentralisierten Massenorganisationen zurückzugreifen, wäre so das Programm der Communisierung der linken und linksradikalen Beziehungen und Organisationen. Subjekt dieser innerlinken Communisierung sind zunächst all jene Personen und Zusammenhänge, deren Bewusstsein bereits von einer universellen, also revolutionären gesellschaftlichen Transformation überzeugt ist. Dabei wäre insbesondere und unbedingt eine Offenheit gegenüber allen möglichen Bedürfnissen und „Forderungen“2 dieser Personen und Gruppen zu bewahren. Solange die Bedürfnisse materieller Art sind, also keine ideologischen Forderungen (Rasse, Geschlecht, Nation, Eigentum, usw.) enthalten, hat die Selbstverwaltung der Autonomie wegen keine „Befugnis“ diese auszuschließen.

Aus dieser Feststellung ergibt sich sogleich eine erste communistische Instanz, eine erste kollektive Form der sozialen Selbstverwaltung. Diese wäre die Selbstbestimmung der gesellschaftlichen Bedürfnisse. Die Fragmente treten mit ihren individuellen oder gemeinschaftlichen Anliegen in einen Prozess der communistischen Bedarfsermittlung.3 Die regionalen, kontinentalen oder globalen lose vernetzen linken und radikalen Fragmente würden hierfür in einen selbstbestimmten aber zentralisierten Dialog treten, einen Austausch über die Anforderungen und Bedürfnisse der Einzelnen an eine mögliche communistische Gesellschaft. Die Schwierigkeit, zwischen Autonomie und Zentralismus auf freiheitliche Art zu manövrieren, bleibt auf dieser Stufe der Communisierung eine einfache Angelegenheit. Die „Macht“ des zentralisierten Dialogs ist keine, welcher selbst Autorität zukommen. Vielmehr und im Gegensatz zu jeder bürgerlichen Zentralität kommt der communistischen Zentralität ihre Stärke daher, dass sie die materiellen Bedürfnisse der Autonomie als solche anerkennt. Je offener und unmittelbare die individuellen und kollektiven Bedürfnisse in die Konstruktion communistischer Verhältnisse einfließen, desto stärker wird die freiwillige Bindung an eine kollektive Zentralität. Diese Form der Zentralität entbehrt darüber hinaus jeder eigenständigen Bürokratie. Da keine formalen Verhältnisse außerhalb der wirklichen Autonomie, der freiheitlichen Beziehungen der Menschen miteinander existieren, gibt es auch keine formalen Angelegenheiten zu regeln.

Die vereinzelten linken Fragmente erheben sich so aus ihrer sozial unvermittelten Trennung dadurch, dass sie zunächst ihre soziale Isolation anerkennen, diese als objektives Hindernis einer selbstverwalteten Gesellschaft begreifen und einen kollektiven, zunächst dialogischen Prozess beginnen, in welchem soziale Organisations- und Gesellschaftsformen gefunden werden sollen, in welchen die Bedürfnisse der Vereinzelten aufgehen und gleichzeitig die soziale Isolation durchbrochen würde. Der Prozess des Entwurfs einer linken oder linksradikalen „Utopie“ und Skizzen materieller Organisationen und Beziehungen, welche diese „Utopie“ erkämpfen und gleichzeitig verwirklichen sollen, bildet so selbst die erste Form der Communisierung. Dabei geht es nicht darum eine neue ideologische Schablone zu entwerfen, welcher später die reale Welt unterworfen werden soll. Vielmehr ginge es darum, ein Repertoire an Organisationsformen und -möglichkeiten bereit zu haben, um in kämpferischen Situationen bereits auf Ansätze gemeinsamer Selbstverwaltungsstrukturen zurückgreifen zu können. Letztlich sind es die realen Kämpfe und die sich in und durch diese Kämpfe befreienden Individuen und Gruppen, welche darüber entscheiden wie ihre Selbstverwaltung aussehen wird. Doch die Geschichte zeigt auch, dass sich in kämpferischen Situationen meist nicht der Raum oder die Zeit findet, um ausschweifend über die Fallstricke einzelner Beziehungsweisen und Organisationsformen zu debattieren. Zeit und Raum, der sich vor den Kämpfen leicht finden und nutzen ließe, um auf die kommenden Befreiungsversuche vorbereitet zu sein und schon auf eine gemeinsame Tradition materialistisch-utopischen Denkens zurückgreifen zu können.

Um dem bisher Dargestellten ein nicht ganz willkürliches Beispiel beiseite zu stellen folgendes Gedankenexperiment: Die antikapitalistischen Fragmente der Klimabewegung und der Anti-Gentrifizierungs-Bewegung der Zentren treten in einen Dialog über die communistischen Produktionsbeziehungen oder die Stadt-Land-Verhältnisse und wie hier gepflegt, erneuert, gearbeitet, verteilt, gebaut, recycelt, verkehrt, usw. werden könnte. Gleichzeitig tragen soziale Bewegungen von anderen Kontinenten ihre spezifischen Bedürfnisse wie Ressourcen- und Landraub, schlechte und international-ausbeuterische Arbeitsbeziehungen, usw. in diese Überlegungen mit ein. Darüber hinaus werden in allen Entwürfen die geschlechtliche und rassistischen Herrschaftsdynamiken durch Einbeziehung der unmittelbaren Bedürfnisse von Betroffenen reflektiert. So soll eine Vielzahl an Entwürfen entstehen, welcher ihre Attraktivität dadurch erhalten, dass alle Bedürfnisse befriedigt werden und alle besonderen Konstellationen von Herrschaft durchbrochen sind. Die Spezifik dieser Entwürfe wäre, dass sie kein unbedingt feststellbares Zentrum haben. Nicht ein wesentlicher Widerspruch, eine zentrale Herrschaft soll aufgehoben werden, sondern ein solidarischer Zusammenhang der universellen Befreiung geschaffen werden.

Die Konsequenz aus solch einer Communisierung der Bedarfsermittlung wäre eine dreifache. Erstens wäre sie der Versuch die Fragmentierung der Kämpfe um Befreiung auf eine solidarische Einheit zu heben ohne die Besonderheiten der Fragmente unter einen allgemeinen Zwang zu stellen. Zweitens wäre sie der Versuch die gegenwärtige Perspektivlosigkeit der Emanzipation praktisch zu durchbrechen und die Utopie als real zu verhandelndes Subjekt-Objekt zu begründen und zu verbreiten. Drittens wäre der Aufbau einer zentralisierten aber autonome Selbstverständigung der Menschen, ein wesentliches Glied in der gesamten Struktur der communistischen Gesellschaft, ein Organ der freiheitlichen Selbstverwaltung der Bevölkerung und Selbstbestimmung ihrer eigenen Ziele und Wege. Die sich diesem Vergesellschaftungsprozess anschließenden Fragmente bilden die communistische Linke.

Hoffnung durch Aussicht

Es mangelt, wenn der Pessimismus für einen kurzen Moment weicht, nicht an dringenden Bedürfnissen (und sei es das nackte Überleben) und handfesten Bestrebungen (die Vielzahl sozialer Proteste, antirepressiver Aufstände und Revolutionsversuche der letzten zehn bis fünfzehn Jahren) dem eigenen sozialen Leben oder auch der ganzen sozialen Welt einen neuen Charakter zu geben. So betrachtet wird die Gegenwart zu einem umfassenden Zittern der herrschenden Beziehungsweisen4, einem unter der spektakulären5 Oberfläche stattfindendes Beben der kapitalistischen Weltgesellschaft. Dieses Spektrum emanzipatorischer Bestrebungen besteht als anhaltender Abwehrkampf gegen sozialen Abstieg, Verarmung, Entrechtung, Vertreibung, Versklavung, Repression, sexuelle Unterwerfung, rassistische Morde, usw. Der universelle soziale Krieg durch Kapital, Staat, Patriarchat und Faschismus wird auf der gesamten Welt durch Proteste, Erhebungen, Aufstände (und teils sogar, wie im Arabischen Frühling Revolutionsversuche) begleitet. Der Wille die Umstände der Misere zu ändern, der Misere die Grundlage zu entreißen, tritt dabei nicht immer offen und bewusst zutage. Dennoch liegt all diesen Kämpfen das Moment der Emanzipation, der Befreiung aus unterschiedlichsten Formen der Knechtschaft inne.

Diese emanzipatorische Kraft, welche in all den Erhebungen und Aufständen liegt, muss jedoch immer wieder zusammenbrechen, da ihr Fundament bisher immer das der herrschenden Gesellschaft blieb, welcher sie entsprungen ist. Das Prinzip der Rekuperation, der Wiedereingliederung subversiver Momente in die bestehenden kapitalistischen und staatlichen Herrschaftsverhältnisse, ist zugleich immense konterrevolutionäre Kraft wie Erneuerung der kapitalistischen Herrschaft selbst. Nahezu die gesamte Geschichte sozialer Bewegungen wurde von dieser Unschädlichmachung für und Eingliederung in die herrschende Gesellschaft begleitet.

Eine emanzipatorische Kraft, welche jedoch nicht mehr auf dem festen Boden der herrschenden Ordnung steht, selbst nicht mehr nach ihren Regeln und Prinzipien funktioniert, könnte durchaus in die Lage kommen den Bruch mit dem Bestehenden aufrecht zu erhalten, weiter zu verschärfen und sogar in einem revolutionären Prozess siegreich sein. Um jedoch dem Feld der kapitalistischen Formen und Kräfte zu entfliehen, bedarf es perspektivischer Strategien, welche innerhalb sozialer Bewegungen Raum für communistische Beziehungen und Organisationen eröffnen. Solche Strategien speisen sich aus den kollektiven Erfahrungen der Abwehrkämpfe und den strategisch-utopischen Entwürfen der communistischen Linken und werden durch gezielte Aktionen im Zuge der Teilnahme an sozialen Bewegungen und Aufständen popularisiert und experimentell erprobt. In einer organischen Verbindung der communistischen Linken und der Masse der Aufständischen, welche gemeinsam als eine aufständische Kraft agieren, könnten so weitreichende revolutionäre Strategien und utopische Beziehungsweisen in die Organisation der Aufstände mit einfließen, der Gemeinschaft der Revoltierenden als Möglichkeit angeboten werden. Um nur einige einfache Strategien zu nennen, wären hier auf Formen der direkten Aktion verwiesen, wie sie in den Aufständen zu beobachten sind: Aneignung und Vergesellschaftung von Lebensmitteln. Besetzungen von Räumen und die Organisation sozialer Nutzung. Zerstörung, Blockade und Unschädlichmachung schädlicher Industrien, Fahrzeuge und Produktionsmittel. Erhebung und Vereinigung von Bedürfnissen sowie die Kollektivierung des Bedarfs.6 Aufbau autonomer Zonen, Städte und Regionen. Ausbildung von Selbstverteidigungseinheiten gegen Faschisten und Polizei. Alle diese direkten Aktionsformen wäre darüber hinaus durch Experimente direkte Selbstorganisation und direkter Vergesellschaftung der Produktionsmittel zu verbinden, wie sie in den Entwürfen der communistischen Linken als kollektive Utopien ermittelt wurden. Gerade weil wir schon in weiten Teilen wissen, wie soziale Proteste und Aufstände funktionieren, welche Elemente in ihnen immer wieder aufkommen, können wir an diese ansetzen, ihre revolutionären Momente schärfen und festigen und so die Basis für weiterreichende, auf die wirkliche autonome Aneignung des gesellschaftlichen Kommandos und der Produktionsmittel zielende Aktionen begründen.

Befreiungsorganisation

In dieser Verbindung der communistischen Linken, welche perspektivisch und strategisch Planen und Organisieren lernt, utopische und revolutionäre Beziehungsweisen entwirft und den gegenwärtigen sozialen Massenprotesten, Aufständen und Revolutionen zeichnet sich so die nächste Stufe der Communisierung ab. Als Zusammenhang autonomer Kämpfe und Kräfte bildet die Commune eine Befreiungsorganisation, ein kooperativ und koordiniert denkendes und handelndes Beziehungsgeflecht vieler verschiedener Aktivist*innen. Die Lebensmittelstationen und solidarischen Küchen, besetzen Häuser und Plätze, die von communistischen Betriebsgruppen übernommenen Betriebe und Initiativen, revolutionäre Krankenstationen, organisierte Barrikaden, Blockaden und Sabotagen, Lebensmittelcommunen, Logistik und Verteilung, usw. die gesamte Architektur der organisierten Kämpfe wäre selbst wieder als Communisierung zu denken und handeln. Die Autonomie eines architektonischen Elements der Revolution bestünde so in Denken und Organisation als abhängiger Teil einer revolutionären Stadt, einer communistischen Region oder sogar eines ganzen befreiten und selbstverwalteten Kontinents.

Die Communisierung der Kämpfe wäre eine strategische und organisatorische Zuspitzung und Radikalisierung der emanzipatorischen Kräfte auf drei Weisen. Erstens durch die bewusste-strategische Planung von möglichen Situationen, Szenarien und Taktiken. So kann die Unsicherheit, welche in jeder Revolution an der Tagesordnung steht, in gewissen Teilen eingeschränkt, überschaubar gemacht und vielleicht sogar taktisch genutzt werden. Zweitens durch die Bestrebungen den spontanen Erhebungen und Aufständen ein andauerndes Moment zu verleihen. Dies gelingt durch enge Kooperation, strategische Organisation und den communistischen Dialog der kämpfenden Individuen und Gruppen. Drittens bilden diese Selbstverständigungs- und Selbstverwaltungsstrukturen bereits die Grundlage für die communistische Gesellschaft selbst. Die revolutionären Beziehungen und Organisationen sollen nicht bloß während der Aufstände und Revolten diese selbst organisieren, sondern in einem voranschreitenden Prozess die soziale Grundlage der Aneignung der Gesellschaft durch die Autonomie sein.

Selbstverwaltungsorganisation

Die vorläufig letzte Stufe der Communisierung hat sich uns so aus den vorherigen Stufen ergeben. Die organisierte und autonome Selbstverwaltung aller gesellschaftlicher Bereiche: Befreiung, Verteidigung, Verteilung, Reproduktion, Produktion, Infrastruktur. Auf dieses letztliche Ziel der Communisierung hätten alle vorherigen Stufen als Durchgänge hinzuwirken. Die strategische Planung und die utopischen Entwürfe der communistischen Linken hätten sich an dieser befreite Phase zu orientieren. Auch wenn diese communistische Raum-Zeit heute nicht unmittelbar begriffen und gelebt werden kann, diese immer im Sinne einer Utopie gehandhabt werden muss, kann sie als geistiges und organisatorisches Koordinatensystem entwickelt werden, welches der herrschenden Ordnung entgegengesetzt werden kann. Der ideologische Bann der Alternativlosigkeit hat gegenwärtig selbst eine nicht zu unterschätzende Kraft und bildet selbst einen Teil des Zusammenhalts der herrschenden Ordnung. Diesen Bann zu durchbrechen kann helfen das ohnmächtige Selbst wieder zu aktivieren und so Kräfte und Begierden für den revolutionären Kampf frei zu machen. Das spezifisch communistische dieser perspektivischen und utopischen Koordinaten wäre gerade ihr Offenheit und Anti-Dogmatik. Nicht der konkrete Entwurf, solange dieser Entwurf rein theoretisch bleibt, ist das wesentliche dieser „Utopie“, sondern der kollektive und bewusste Prozess der Selbstverständigung über die Frage „Wie können und wie wollen wir leben?“.


1 Soziale Organisationsformen wären bspw. Bildungseinrichtungen, Konsumgenossenschaften, Arbeitervereine, Arbeiterversicherungen, usw., all jene sozialen Beziehungen und Vereinigungen, welche im Umfeld der offiziellen Gewerkschaften und Parteien und meist im Einflussbereich dieser offiziellen zentralistisch-bürokratischen Massengenorganisationen lagen. Die politischen Organisationsformen wären diese Massenorganisationen selbst, da sich ihre Wirkmächtigkeit in den national-staatlich-politischen Rahmen der kapitalistischen Weltgesellschaft eingliedern. Dies sind die kommunistischen und sozialdemokratischen Parteien auf der rein politischen Seite und die zentralistischen Massengewerkschaften auf der mehr sozial-integrativen politischen Seite. Als politische Ideologien bildete diese Organisationsformen den geistigen Kitt dieser Organisationen selbst und gleichzeitig deren Integration in die bürgerlich-politische Ideologien des kapitalistischen Staates, dem demokratischen Generalgesellschafter des Kapitals.

2 Das Problem der Forderungen ist jenes, dass es ursprünglich von einer Instanz ausgeht, von welcher gefordert werden kann. Revolutionäre Bedürfnisse können so gesehen nicht im klassischen Sinne einer Forderung artikuliert werden, sondern müssen in den Prozess der Selbstverwaltung einfließen und sich durch diesen selbst erfüllen und verwirklichen.

3 Der Begriff der Bedarfsermittlung verweist an dieser Stelle absichtlich auf den Bedarf an Gütern und Leistungen, welche das Individuum oder das Kollektiv aus der Gesellschaft beziehen möchte, da es letztlich immer auch um die Selbstverwaltung und Vergesellschaftung der Produktion gehen muss. Dabei darf jedoch keines Fall vergessen werden, dass soziale Bedürfnisse sich nicht in einfacher Versorgung mit Güter auflösen lassen. Der communistische Bedarf umfasst immer auch die Bereiche sozialer Anerkennung, liebevoller und fürsorglicher Gemeinschaft, lebenswerter Umwelt, lebendiger und nicht-entfremdeter Beziehungen, usw.

4 In Anlehnung an Bini Adamczaks Vorstellung revolutionäre Beziehungen einzugehen und in diesen Beziehungsweisen zu etablieren, welche über die herrschenden, kapitalistischen, patriarchalen Formen dieser Beziehungen hinauszugehen.

5 Das Spektakel als Begriff der Erscheinungsform des entwickelten Kapitalverhältnisses ist eine Vorstellung, welche von Guy Debord entwickelt wurde und eine präzise bildliche Darstellung der verdinglichten Verhältnisse bietet, wie sie von Karl Marx und später Georg Lukács theoretisch gefasst wurden.

6 Zum einen um die Revolten, Aufstände, Besetzungen und Blockaden aufrecht zu erhalten, zum andern, um die communistische Selbstverwaltung vorzubereiten. Vorstellbar wäre bspw. in Versammlungen gesellschaftliche Grundgüter und Bedürfnisse zu formulieren, welche den weiteren Bestrebungen der Aneignung der wirtschaftlichen Kontrolle und Mittel zur Vorlage dienen. So entwickelt sich eine innere Revolutionsdynamik, welche sich gleichzeitig kollektive Ziele gibt und für deren Verwirklichung kämpft.